Westfälische RundschauWestfälische Rundschau (Lokalteil Hagen) - Montag, 13. Januar 2003

Stimmfeste Sänger trotzten der Grippewelle: Dahler Neujahrskonzert

Hagen-Dahl. (cil) 18.30 Uhr. Eigentlich sollten jetzt erst die Türen geöffnet werden. Stattdessen sind bereits 50 Prozent der Tische besetzt. Und die Gäste geben sich weiter die Klinke in die Hand. "Hoffentlich", sagt Karl Lauert, "kommen nicht zu viele". - Ein seltener Satz aus dem Munde eines Veranstalters.

Der Vorsitzende des MGV Dahl 1900 weiß, wovon er spricht: Das Neujahrskonzert - in jedem Jahr beliebter Anziehungspunkt. Es ist das 56. - und bei 55 davon hat Lauert selbst mitgesungen. Günter Reinecke und Walter Vaerst, die beiden aktiven Ehrenmitglieder, die gerade noch Wertmarken verkaufen, bevor sie die Bühne erobern, haben sogar alle 56 mitgemacht. Nachwuchs? - Lauert zuckt die Schultern.

"Schlecht. Wie überall". Dabei: Die Sänger sind in einer Zwickmühle. Ihr Publikum will die konservative Chor-Literatur hören; junge Leute aber wollen, wenn überhaupt, dann moderne Stücke singen. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

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Sein erstes großes Konzert: Ingo Steinbach am Tenorhorn.

Ingo Steinbach (12) ist ein bisschen blass um die Nase. Es ist sein erster großer Auftritt vor Publikum. Ständchen, winkt er ab, habe er ja schon oft gespielt. Aber hier... Der Zwölfjährige spielt Tenorhorn in den Reihen des rund 40-köpfigen ev. Posaunenchores Dahl, der die Dahler Sänger heute verstärkt. Bei den Blechbläsern gibt's keine Nachwuchssorgen - auch, weil hier ein reges Freizeitangebot bis hin zum Segeln auf dem Ijsselmeer dazu gehört.

Die Auswahl der Musikstücke: Gut gemischt. Wilfried Hunsmann gibt den Ton bei den Bläsern an. Majestätischer Auftakt, dann füllt Vangelis "Conquest of Paradise", der Henry Maske-Einzug, die Bürgerhalle.

Der MGV Dahl unter Leitung von Musikdirektor Alfons Bötzel, durch Krankheitsausfälle von 26 auf 18 Sänger geschrumpft, zeigt dafür außergewöhnliche Stimmkraft. "Das Gros", lacht Lauert, "ist stimmfest". -Recht hat er, auch wenn's hie und da mal holpert: "Das macht nichts", lacht die Gemeinschaft, die hier neben der Kultur auch eben diese pflegt. Und weder hier noch da steht die Perfektion, sondern die Freude an der Musik im Vordergrund. Die geben beide, Sänger und Blechbläser, an diesem Samstag weiter an ein gut 200-köpfiges Publikum in der Dahler Bürgerhalle. Kaum ein Stuhl, und da lag der Vorsitzende mit seiner Einschätzung goldrichtig, bleibt unbesetzt. Ein bunter Melodienreigen, flotte und getragene Rhythmen im Wechsel, Salonlieder und Filmmusiken - dem Publikum gefällt's. Nebenbei stehen die Sänger nicht nur fürs stimmliche, sondern auch den Service gerade: Der reicht vom Stuhlkissen bis zum Mettbrötchen. Mit Schwung geht's ins neue Jahr - auch anschließend auf der Tanzfläche.


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