Westfälische RundschauWestfälische Rundschau - Montag, 17. Oktober 2011

Musik mit hoher Strahlkraft

„Lobet den Herrn mit Posaunen": 50 Jahre Posaunenchor Zurstraße / Stattliches Orchester

Breckerfeld.

Der Posaunenchor Zurstraße feierte am Samstagabend in der Christuskirche Eilpe mit einem Bläserkonzert unter dem Titel „Lobet den Herrn mit Posaunen" sein fünfzigjähriges Jubiläum. Zusammen mit den Eilper und Dahler Kollegen bildete er ein stattliches Orchester mit riesigen Tuben im Bass.

Unter der Leitung von KMD Karl-Heinz Saretzki, trotz des Ruhestandes immer noch die Ikone der evangelischen Bläserkultur, gelang eine festliche Musik von hoher Strahlkraft. Einsätze und Schlussakkorde gelangen makellos, Atemzäsuren gliederten die Choräle mit den dazugehörigen Vorspielen sinnvoll, mächtige Lautstärkesteigerungen und -abnahmen schufen Spannungsbögen.

Die Besetzung der Stimmen hatte ein ausgewogenes Volumen. Das Konzert hatte die Form eines musikalischen Gottesdienstes. Als Vorspiel hatte man eine Paduana (Pavane) von Hammerschmidt aus der Barockzeit gewählt, einen getragenen Schreittanz mit schnellerem Nachsatz.

Zwei Vorspiele zu „Du meine Seele, singe" interpretierten den Choral mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Im Kanon strahlend die Trompeten nach der Vorgabe der weichen tiefen Stimmen bei Klaus Knigge (*1928), rhythmisch bewegt, den aufsteigenden Dreiklang der Melodie zur Fanfarenbildung ausnutzend bei Friedemann Faber (*1950).

Die Motette „Cantate Domino" von Hans Leo Hassler (1564-1612) bewies mit ihrem perfekten Wechsel von akkordgebundenen Abschnitten mit selbstständiger Linienführung der Stimmen die Gewandtheit der Bläser in beiden Techniken.

Saretzki rückte in seiner Meditation über „Nun danket alle Gott" statt einer Predigt den Choral in den Mittelpunkt des Abends mit Interpretationshilfen zu diversen Vorspielen: Nach altem Vorbild mit lebhaften Zwischenspielen solide gearbeitet von Paul-Ernst Ruppel (1913-2006), feierlich-romantisch verklärt mit vielen harmonischen Rückungen von Mendelssohn, freudig beschwingt mit viel Bewegung im Bass und strahlender Oberstimme von Bach, mit schmerzhaft aufschreienden Melodiefetzen und dissonanten Uberlagerungen quasi zähneknirschend geschrieben von Magdalene Schauss-Flake (1921-2008), die sich in schweren Zeiten das Danken abringen musste. Das Liturgie-Medley „Amen and More" von Matthias Nagel (*1958) als Nachspiel mit flottem Jazz-Rhythmus sprach auch Pop-Fans an.

Begeisterter Beifall und eine verheißungsvoll raschelnde „stille" Kollekte im Klingelbeutel für den Posaunen-Nachwuchs dankten den Bläsern, unter ihnen erfreulich viel junges Volk.


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