Westfälische RundschauWestfälische Rundschau (Lokalteil Hagen) - Dienstag, 28. Dezenber 2010

Ein fröhlicher Junge ohne viele Worte

Von Jens Stubbe

Hendrik, der Wirbelwind. Mit seinen Inlineskates rauscht er über das Laminat vom Wohnzimmer in den Flur. Hendrik, der Sonnenschein, der so viel Lebensfreude ausstrahlt und mit seinem Lachen die ganze Familie ansteckt. Hendrik, das Sorgenkind, das mit seinen sieben Jahren kaum ein Wort so aussprechen kann, dass es verstanden wird.

Gendefekt lautet die Diagnose. Dem fünften Chromosom fehlt ein Teilstück. Eines, das verantwortlich ist für die Sprachentwicklung. Warum das bei Hendrik so ist, weiß niemand. Dass eine Delflntherapie bei Kindern mit ähnlichen Problemen große Fortschritte gebracht hat, steht für die Familie fest. Gemeinsam mit dem Verein „Dolphin Aid" sammeln Anke und Uwe Bromm deshalb Geld für eine Behandlung in Key Largo (Florida).

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Mit einem Sprachcomputer erarbeiten sich Hendrik und seine Mutter Anke Bromm Wort für Wort. Eine Delfintherapie, an der die ganze Familie beteiligt ist, soll dem Siebenjährigen aus Rummenohl helfen. In seiner Sprachentwicklung ıst er zurückgeblieben. Foto: Michael Kleinrensing

10.000 Euro kostet die Familientherapie. Alleine können die Eltern diesen Betrag nicht aufbringen. Einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt es nicht.

„Dass Hendrik jetzt so ein fröhliches Kind ist, grenzt an ein Wunder", sagt Anke Bromm. „Man merkt, wie er versucht, Dinge auszudrücken und es einfach nicht gelingt. Es gibt Fälle, da sind Kinder depressiv geworden und haben sich in ihre ganz eigene Welt zurückgezogen."

Aus einer solchen Welt aber hat der kleine Hendrik einen Ausweg gefunden. Schon der Geburtstermin war von den Ärzten immer wieder nach hinten verschoben worden. Als er auf die Welt kam, war sein Kopf zu klein. Er schaffte es nicht, selbst zu trinken. „Man hatte damals das Gefühl, als fehle ihm der Wille zum Leben", sagt Anke Bromm.

Aber die Mediziner kämpfen, die Familie kämpft und Hendrik kämpft. „Die Kinderärztin hat immer wieder appelliert, Hendrik Zeit zu geben. Vieles musste er ganz mühevoll erlernen", sagt Anke Bromm. Hendrik schläft in den ersten Jahren extrem viel, er ist still, läuft erst mit 21 Monaten.

Eine Odyssee folgt. Immer wieder wird Hendrik anderen Spezialisten vorgestellt. Entwicklungsverzögerung lautet häufig die pauschale Diagnose. Eine Ursache findet zunächst niemand. Erst bei einer Humangenetischen Studie, an der Hendrik schließlich teilnimmt, wird die Chromosomschädigung entdeckt.

Hendrik besucht jetzt die Gustav-Heinemann-Schule, lernt dort, sich auch in Gebärdensprache auszudrücken. „Wir wissen nicht genau, welche Potenziale noch in ihm stecken", sagt Anke Bromm. „Über ]ahre hinweg hat ihm ja auch die Möglichkeit gefehlt, Fragen zu stellen."

Hendrik liebt es, mit seinen Brüdern Jan-Niklas (13) und Eric (10) zu spielen. Er fährt gern mit Schlittschuhen, er spielt mit ihnen Fußball. „Das kann er echt gut", sagt Eric. Hendrik ist eine Wasserratte und liebt Tiere. „Das lässt uns um so mehr an den Erfolg einer Delflntherapie glauben", sagt Anke Bromm. Zumal die Familie seit der Krebserkrankung der Mutter vor drei Jahren viel durchleiden musste.

Für Hendrik, seine Geschwister und die Eltem gibt es Hoffnung. Das Bewerbungsverfahren ist abgeschlossen. Hendrik könnte in den USA behandelt werden. Nur die Finanzierung macht Probleme. Der evangelische Posaunenchor Dahl will ein Benefizkonzert geben. Die E-Jugend des TSV Dahl hat zu Weihnachten schon 120 Euro gesammelt. Bei einem Kinderfest und einem Benefizspiel soll weiteres Geld zusammenkommen. Bei der Sparkasse Düsseldorf hat der Verein Dolphin Aid ein Spendenkonto eingerichtet (BLZ 300 501 10, Konto-Nr. 200 02424, Verwendungszweck: Hendrik Bromm).

 


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