WestfalenpostWestfalenpost (Lokalteil Hagen) - Dienstag, 23. Januar 2007

Nicht staubtrocken, sondern frisch vom Blech

Posaunenchor Dahl überzeugte mit rundem Programm

Von Renate Schmoll

DAHL. Die Bürgerhalle in Dahl konnte die Menge der Zuhörer kaum fassen, die am Samstag das Konzert des Ev. Posaunenchors miterleben wollten. Man saß in dicht gedrängten Stuhlreihen, eroberte einen Stehplatz in den schmalen Gängen oder blieb gleich beim Ausschank der Getränke stehen.


„Frisch vom Blech" lautete das Motto des Abends; die Assoziation mit der Kuchentheke war geschickt einkalkuliert, lassen sich doch mit dem Namen des neuen Dirigenten Stephan Mehl fantastisch Wortspiele bilden und Bilderrätsel erstellen, wie der große Bildschirm neben der Bühne zeigte.

Die Bühne präsentierte mit 60 Orchestermitgliedern ein stattliches, goldglitzerndes Aufgebot an Blechbläsern und Schlagzeugern. Garant für einen in jeder Beziehung unterhaltsamen Abend war nicht zuletzt der Moderator und Tuba-Bläser Klaus Wurm, der es bei seiner Führung durch das Programm an Witz und Schlagfertigkeit mit jedem Showmaster aufnahm.

Stephan Mehl, nach seinem Musikstudium mit Schwerpunkt Klavier und Schlagzeug Lehrer an der Max-Reger-Musikschule, hatte von dem langjährigen Leiter des Posaunenchors Willy Hunsmann eine gut geschulte Truppe übernommen, konform im Rhythmus, sensibel für geschmeidige Übergänge in der Dynamik, festlich strahlend im Fanfarenklang und weich in gefühlvollen Passagen.

Auch der Nachwuchs, betreut von Sinje Glaesner, stellte sich mit zwei Songs vor und blies absolut taktfest „Vielen Dank für die Blumen" und „Sunday Evening". Überhaupt stellt der Jugendchor mit 25 Kindern unter 14 Jahren eine Rarität unter den Posaunenchören im Hagener Raum dar, die alle unter Mitgliederschwund leiden.

Filmmusiken wie aus „Star Wars" oder zu „Paulchen Panther" (wobei das Plüschtier aus einer Tuba schaute) ver-anlassten das Publikum zu stürmischem Beifall. Die schmissig-fetzigen Songs „Deep Purple" und „Smoke on the Water" waren optisch mit an der Decke flitzenden bunten Lichtblitzen und Vernebelungseffekten vor der Bühne dekoriert und ließen die Tonschwingungen im Zwerchfell angenehm vibrieren.

In einem witzigen Sketch stellte sich die Sängerin Lisa Girgenrath als findige Putzfrau und kesse Tänzerin vor. Ihre kraftvolle Stimme mit metallischem Sound im Forte und verführerisch weichem Vibrato im Piano war auch mit Bläser-Begleitung noch tragfähig. Cynthia Körner, eine „brasilianische Samba-Tänzerin aus Herzogenaurach" im bunten Schmetterlingskostüm, brachte einen Hauch von „Karneval in Rio" nach Dahl.

Nach Samba, Boogie, Blues und Swing ging man zu Musical-Ausschnitten über. Hier faszinierte wieder Lisa Girgenrath mit dem vom Dirigenten arrangierten und am Klavier begleiteten „Somewhere" aus der „Westside Story" von Bernstein.

Der Choral „Nun danket alle Gott" stand als einziges Werk aus dem kirchlichen Repertoire des Chores auf dem Programm, poppig verkleidet und mit einem Song gekoppelt, den das Publikum erraten sollte, wobei es im Sinne des Worte „mit Pauken und Trompeten" durchfiel.

Nach seinem Erfolg wird sich der Posaunenchor Dahl für das nächste Konzert nach wohl einem anderen Veranstaltungsort umsehen müssen. Der augenzwinkernde Kommentar von Klaus Wurm: „Die Westfalenhalle ist ja scheinbar zu klein für uns."


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